Vollscheibenrad

Wir schreiben eine Zeit in der das alte Österreich noch eine stolze Monarchie war. Ein Vielvölkerstaat mit verschiedensten Nationalitäten und gesprochenen Sprachen. Die Österreichisch-Ungarische Monarchie war um 1910 eines der größten Reiche in ganz Europa.

 

Die 1910er Jahre waren ein geschichtsträchtiges Jahrzehnt, welches vom 1. Weltkrieg (1914-1918) bin hin zur Ausrufung der 1. Republik in Österreich im Jahr 1918 geprägt war. Man konnte sich während der Kriegszeit kaum etwas leisten, da die Wirtschaft einbrach und die Preise für Lebensmittel und den Lebensunterhalt förmlich explodierten. All diese Faktoren drosselten natürlich die Fahrradproduktion in der Monarchie.  Die Jahre nach Ende des 1. Weltkriegs waren geprägt von stockendender Wirtschaft, Kriegsfolgen, und hoher Inflation. Weiters wurde erst ab dem Jahr 1920 wieder eine Verfassung eingeführt.  

 

Im Gegensatz dazu standen die Anfangsjahre dieses Jahrzehnts, welches man gut an den noch sehr wenigen verbliebenen Fahrrädern, aus dieser Zeit, erkennen kann. Auf Grund von Vertriebstellen in den ehemaligen Kronländern, wurden diese Fahrräder in der ganzen Monarchie und über die Grenzen hinaus angeboten. Zahlreiche Verzierungen am Steuerkopf oder Ätzungen an vielen Rahmen, sowie den herrlich anzusehenden Kettenblättern, lassen das Herz eines Fahrradliebhabers für diese Zeit höher schlagen.  Solch schöne Vollscheibenräder konnte sich damals nicht jeder leisten und waren daher eher für die wohlhabende Bevölkerungsschicht erschwinglich. Diese besonderen Stücke der Fahrradgeschichte sind damals wie auch heute äußert begehrt bei Jung und Alt.

 Mehr auf: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_%C3%96sterreichs

 

 

Details zum Vollscheibenrad

 

Steuerkopfzeichen: Schmied "Waffenfabrik Steyr"

Karbidhalterung: Dient zur Arretierung mit der Steuersperre und Befestigung einer Karbidlampe.

Steuersperre: Diese Sperre dient zu Arretierung des Lenkers sowie der Gabel.

Vollscheibe: Vernickeltes Kettenblatt mit Schriftzug "Waffenrad" und Blumenverzierungen.

Beleuchtung: Karbidlampe von Obermetall

Glocke: Radlaufglocke vom "Hercules"

Korkgriffe: Für die damalige Zeit sehr verbreitet und auf vielen Bildern von Fahrrädern erkennbar. 

Fahrradkette: Kettenteilung 5/8 x 3/16 Zoll mit einem Ritzel von Fichtel & Sachs in der Breite von 5/8 mit 17 Zähnen.

 

   

Offizielles Kriegsbilderalbum 1914-1915

 

Gleichzeitig möchte ich für diese Zeit auch von mir ein zeitgeschichtliches Dokument vorweisen, welches für den Umbruch dieses prägenden Jahrzehnts steht und die damalige alte Ordnung in Europa für immer veränderte. Dieses Bilderbuchalbum mit Aufnahmen der Jahre 1914 bis 1915, herausgegeben vom Kriegshilfsbüro des K. u. K. Ministeriums des Inneren, zeigt unter anderem einen Frontsoldat im Felde mit seinem Militärklapprad. Bei diesem Rad könnte es sich um ein Styria Militär-Rad oder auch um ein Steyr Waffenrad M10 handeln, welche beide mit Klapprahmen damals produziert wurden. Ein Styria Militär-Rad  ist im technischen Museum in Wien ausgestellt und dürfte vermutlich auch das einzig erhaltene Exemplar sein. Ebenso muss man beim Steyr Waffenrad M10 von einer sehr geringen, einstelligen Stückzahl ausgehen, welche diese schweren Zeit überstand.

Aufarbeitung

Als ich dieses Fragment an Fahrradteilen erwarb, stand ich vor der schwierigen Entscheidung welchen Weg ich einschlagen würde. Sehr lange tat sich nichts bei diesen Projekt. Es fehlten viele Teile die vermutlich kaum bis gar nicht mehr aufzutreiben sind. Schlussendlich rang ich mich aber durch, dieses Puzzle an Fahrradteilen halbwegs wieder zusammen zu fügen. Leider musste der Rahmen und die Gabel  bei der Aufarbeitung von mehreren Lackschichten und Grundierungen befreit werden. Eine Erhaltung bzw. Wiederherstellung des Originallackes war nicht mehr möglich. Deshalb hatte ich mich dazu entschieden den Rahmen und die Gabel neu lackieren zu lassen. Normalerweise bereite ich meine Fahrräder schonend wieder auf, jedoch erforderte es bei diesen Projekt eine andere Vorgehensweise. Es waren zusätzlich am Rahmen und an vielen anderen Teilen zahlreiche Reparaturen notwendig, die einige Zeit in Anspruch nahmen. Vernickelte Stellen am Rad konnten wieder aufpoliert werden, welche jetzt das Rad im alten Glanz wieder erstrahlen lassen. 

 

Dieses Rad wird für mich noch ein langer Wegbegleiter bleiben, da die Suche nach passenden Originaleilen sehr zeitaufwendig, schwierig und kostenintensiv sein wird.