Tourenmaschine 109 / 1917

Beschreibung zum Rad: Innengemuffter Rahmen in der Höhe von 540 mm. Teilweise noch schwarze Emailierung mit goldener Linierung. Gabel: Waffenfabriksgesellschaft Steyr in Hufeisenform. Steuerkopfschild Schmied "Waffenfabrik-Steyr" mit Zusatzschild für Modellbezeichung "109". Rahmenätzung kaum bis gar nicht erkennbar. Torpedo-Freilaufnabe. Vorderradnabe von F&S. Fahrradkette in der Dimension 5/8 x 1/8 Zoll. Ketttenblatt: "Waffenrad Steyr". Pedale vermutlich aus den 1930er Jahren. Stahlrillenfelgen 28 x 1/2 Zoll - schwarze Emaillierung mit teilweise grün/weißen Mittelstrich. Weiße Semperit-Wulstbereifung.  Speichen: 32/36. Steyr-Lenker in der Rohrstärke von 22mm. Geschmiedete Stempelbremse von Steyr. Steuersperre. Karbidhalterung. Schutzbleche: Waffenfabriksgesellschaft Steyr. Assmannsattel mit Druckfedern Nr. 7. Mantelhalter. Laut Rahmennummer ca. um 1917 gefertigt.

 

 

Diese alte Damenmaschine hielt über eine sehr lange Zeit im Westen von Österreich einen Dornröschenschlaf und wurde durch Zufall mit anderen uralten Gegenständen wiederentdeckt. Auf Grund des fast kompletten Zustandes, wurde dieses Rad für sein Alter wahrscheinlich wenig beansprucht. Ein weiteres Indiz ist die noch für ihr Alter gut erhaltene originale weiße Wulstbereifung. Sogar nach gut 100 Jahren halten die originalen Fahrradschläuche sogar noch die Luft. Es wurden zwar die Pedale einmal ausgetauscht und geschweißt, wie auch eines der Pedalkurbeln, dennoch muss man wenn man das Alter des Rades bedenkt, mehr als zufrieden sein. 

 

 

Hersteller: Waffenfabriksgesellschaft Steyr

Modellbezeichnung: Damen - Tourenmaschine, Modell 109 

Nabe: Torpedo-Freilaufnabe

Sattel: Assmannsattel  Nr. 7

 

Jahrhundert-Rad 

Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Österr. Nähmaschinen- u. Fahrrad-Zeitung vom 30. Juni 1918
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Österr. Nähmaschinen- u. Fahrrad-Zeitung vom 30. Juni 1918

Dieses Rad steht für eine Epoche aus der längst vergangenen Zeit der K. u. K. Monarchie. Gefertigt wurde die alte Dame in Zeiten großen Leides und großer Not, im Jahr 1917. Der 1. Weltkrieg dauerte schon 3 Jahre und sollte noch ein ganzes Jahr andauern. Es wurden in dieser Zeit kaum Fahrräder verkauft, da die Wirtschaft auf Krieg und Rüstung eingestellt war. Zulieferungen von anderen Firmen mit Fahrrad-Zubehörteilen kam auf Grund der katastropalen Lage faktisch zum Erliegen. Wie prekär die Lage war zeigt auch eine Reklame von 1918 für Fahrradreifen aus Papier.

 

Es sollte vermutlich eines der letzten Fahrräder bleiben, welches noch in Monarchiezeiten gefertigt wurde. Ein besonderes Augenmerk bei Damenrädern aus Steyr ist die geschwungene und elegante enggeführte Rahmenform. Weiters sorgen 2 Querverstrebungen für die nötige Stabilität. Damenräder waren im Gegensatz zu Herrenrädern aus der damaligen Zeit wesentlich einfacher beim Aufstieg, da manches Herrenrad gar eine Rahmenhöhe von 65cm aufwies. Durch die aufrechte Sitzposition während der Fahrt, war es wesentlich angenehmer und schonender für das Rückgrat, als die Herrenräder von damaligen Zeiten. 

 

Auf Damenräder griffen auch Männer zurück, da sich zum Beispiel Kriegsversehrte aus der damaligen Zeit sich mit einem Herrenrad sehr schwer taten. Eine solche Situation konnte man ebenfalls im bzw. nach dem 2. Weltkrieg beobachten, wo des einen Bedarf an Damenrädern gab. 

Reklame der österr. Waffenfabriks-Gesellschaft in den letzten Kriegsmonaten der K.u.K Monarchie. Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Österr. Nähmaschinen- u. Fahrrad-Zeitung, vom 30. April 1918.
Reklame der österr. Waffenfabriks-Gesellschaft in den letzten Kriegsmonaten der K.u.K Monarchie. Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Österr. Nähmaschinen- u. Fahrrad-Zeitung, vom 30. April 1918.